Im digitalen Zeitalter kämpfen amerikanische Banken mit einer neuen Bedrohung – den sozialen Medien. Ein von Twitter angeheizter Bankensturm, der vor zwei Monaten zum Untergang der Silicon Valley Bank (SVB) führte, hat die Branche in Aufruhr versetzt und die Bankmanager dazu gezwungen, robuste Strategien gegen ähnliche Cyberbedrohungen zu entwickeln.
Wendepunkt: Silicon Valley Bank
Der Zusammenbruch der SVB war ein Wendepunkt für US-Finanzinstitute und zeigte, wie sich eine Welle von Online-Besorgnis in einen Tsunami der Angst verwandeln kann, der sich auf Einlagenabhebungen und die Stabilität des Aktienmarktes auswirkt.
Bei diesem beispiellosen Vorfall zogen Einleger jede Sekunde 1 Million US-Dollar aus der SVB ab, was innerhalb von nur 10 Stunden zu deren Zusammenbruch führte.
„Früher ging es bei den sozialen Medien vor allem um Reputationsrisiken. Heute stellen sie existenzielle Bedrohungen dar, beispielsweise die Gefahr der Einlagenflucht“, kommentiert Sumeet Chabria, Gründer von ThoughtLinks, einer Beratungsfirma für Banken.
Das Drama nahm seinen Lauf, als die SVB den Verkauf von Wertpapieren und eine Kapitalerhöhung ankündigte. Sorgen um die finanzielle Gesundheit der Bank wurden zum Twitter-Thema unter den Tech-Kunden der Bank aus der Bay Area und führten zu einer Abhebungswelle über mobile und Online-Plattformen.
Anpassung an ein neues Risikoumfeld
Diese jüngsten Krisen haben kleinere Kreditgeber dazu veranlasst, ihre Notfallreaktions- und Risikokapazitäten zu modernisieren. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Strategien zur Geschäftskontinuität nun solche Cyberbedrohungen berücksichtigen müssen.
In den gesamten USA fordern Bankmanager und -vorstände ihre Unternehmen auf, soziale Medien in ihre Risikomanagementpläne einzubeziehen. „Wir wurden beauftragt, Strategien zu entwickeln, um internetbezogene Risiken zu messen, uns darauf vorzubereiten und darauf zu reagieren“, erklärte ein Manager, der anonym bleiben wollte.
In einem proaktiven Schritt wenden sich die Banken an verärgerte Kunden, die ihre Beschwerden auf Social-Media-Plattformen äußern, und versuchen so, potenzielle Krisen frühzeitig zu entschärfen. „Wir wollen es im Keim ersticken“, fügte ein anderer Manager hinzu.
Greg Hertrich, Leiter der US-Einlagenstrategien bei Nomura, ist der Ansicht, dass es sowohl den Aktionären als auch den Anlegern einen Bärendienst erweise, wenn man die Auswirkungen der Social-Media-Präsenz einer Bank auf das Verhalten ihrer Anleger ignoriert.
Engagement der Gemeinschaft: Ein Puffer gegen Fehlinformationen
Nach dem SVB-Vorfall haben kleinere Banken gezielt versucht, die demografische Zusammensetzung ihrer Einleger zu verstehen. Außerdem arbeiten sie mit einflussreichen Mitgliedern der Community zusammen, um Falschinformationen entgegenzuwirken.
Banken nutzen heute Plattformen wie Twitter, LinkedIn und E-Mail, um Fakten zu überprüfen und ihren Kunden Ressourcen bereitzustellen. Diese proaktive Kommunikation zielt darauf ab, genaue Informationen zu vermitteln und den Kunden ihre finanzielle Gesundheit zu versichern.
Sogar die Schwergewichte der Bankenbranche wie JPMorgan Chase & Co und Citigroup Inc haben die bahnbrechende Rolle der sozialen Medien anerkannt.
Regulatorische Kontrolle und der Weg in die Zukunft
Aufsichtsbehörden wie die Federal Deposit Insurance Corporation und die Federal Reserve verschließen angesichts dieser Entwicklung nicht die Augen. Das zunehmende Tempo, mit dem Technologie Bank Runs auslösen kann, ist nicht unbemerkt geblieben.
Auch der Finanzstabilitätsrat, ein internationales Gremium, untersucht die Rolle der sozialen Medien bei den jüngsten Marktverwerfungen.
„Die Banken sind sich der Risiken bewusst. Sie verstehen, dass sie mehr Personal für die Überwachung sozialer Medien einsetzen müssen“, bemerkt Jim Perry, leitender Stratege bei Market Insights. Für viele kleinere Kreditgeber ist dieser Wandel jedoch noch keine Priorität.
Die turbulente Welt der sozialen Medien ist für US-Banken Neuland, und sie versuchen nun, sich anzupassen. Die Folgen des SVB-Vorfalls sind eine deutliche Erinnerung daran, dass eine starke Online-Präsenz nicht nur eine Frage der Markenbildung ist – sie ist heute unbestreitbar eine Frage des Überlebens.



